Nach dem Iman-Wochenende sitzen wir im Zug auf dem Rückweg nach Hause und reflektieren das Erlebte in der Runde. „Das Iman-Wochenende kann man nicht mit Worten beschreiben, man muss es erleben!“, sagt Schwester Sevgi und trifft es auf den Punkt.
Nach dem Wochenende wundere ich mich, dass ich überhaupt darüber nachgedacht habe, ob ich hinfahren soll. Im Nachhinein kann ich nämlich sagen: Ich habe es gebraucht – einfach raus aus dem festgefahrenen Alltag, weg von der gewohnten Umgebung, raus aus dem Kreis, in dem man sich ununterbrochen dreht… hin zu einem Ort der Besinnung. Dieser Ort war das Islamische Kulturzentrum in Wolfsburg, welches uns vom 11.02. bis 13.02.2011 als Herberge diente.
„IM Angesicht Allahs“ war das Motto dieser drei Tage und ließ uns intensiv über die Beziehung, die Liebe und Nähe zu Allah, die treibende Kraft und den Sinn im Leben einer jeden Schwester und eines jeden Bruders nachdenken. Auf der einen Seite motivierten die Vorträge dazu, sich selbst die Frage zu stellen: „Wer bin ich im Angesicht Allahs?“ und „Wie sehr liebe ich Allah –wie sieht meine Beziehung zu Ihm aus?“. Auf der anderen Seite ließen uns die Ibadat die Antworten zu diesen Fragen erahnen und spüren.
Diese Tage verschafften wieder einen weiten Blick, um den Weg zurück zu unserem Schöpfer noch deutlicher und klarer zu erkennen. Ja, wir wollen zurück zu unserem Herren. Aber nein, nicht als Penner in einem Bus auf dem Weg nach „Death-City“, die ständig nur meckern und an den Raststätten „Birthday feiern“ (kleiner Insider). Wir wollen uns auf den Weg begeben, indem wir, in erster Linie versuchen der Liebe Allahs gerecht zu werden, das bedeutet, den Iman im Herzen zu festigen und zu stärken.
Das Wochenende bot so vieles, um den Iman aufzutanken. Neben den rituellen Gebeten, bei denen wir uns an die Gemeinde der
Moscheeabgeleitet vom arabischen "masdschid" (wörtlich: Ort der Niederwerfung); in erster Linie Ort des gemeinschaftlichen Gebets; darüber hinaus Nutzungsmöglichkeiten für soziale, kulturelle und erzieherische Funktionen anschlossen, standen wir auch gemeinsam im letzten Drittel der Nacht zum Qiyam-Gebet. Bei Kerzenschein wurde uns im Rahmen eines Zirkels mit vier Stationen nahegelegt, dass wir den Iman auch oder vor allem mit Qur’an-Lesen, Dhikr,
Duadas Bittgebet, das jederzeit auch in der Muttersprache gesprochen werden kann; der Muslim wendet sich in seinen Nöten und mit seinen Wünschen allein an Gott und einem rituellen Verbannen der eigenen schlechten Charaktereigenschaften, stärken können.
Auch an diesem MJD-Wochenende durften die AGs nicht fehlen. Angeboten wurden diesmal Spazierengehen, Parcours, kreatives Schreiben, Taekwondo und mehr. Hierbei konnten wir die anwesenden Geschwister näher kennen lernen und uns mit der Umgebung vertraut machen.
Und somit war das Wochenende nicht ausschließlich eine Erfahrung für das eigene Herz und die eigene Seele, sondern ließ wie bei jedem MJD-Treffen wieder ein starkes
Ummahdas Volk; die Nation; die Gemeinde; die weltweite Gemeinschaft der Muslime-Feeling aufkommen. Gerade dieses Gefühl ist so wichtig auf dem Wege Allahs, da man sich gegenseitig unterstützt, stärkt und erinnert.
Den Iman auftanken und der Seele eigentlich nur einen Gefallen tun! Diese Erfahrung haben wir an diesem inspirierenden Wochenende gemacht… und das Schöne: man kann sie tagtäglich machen! Allah gibt uns so viele Möglichkeiten dazu. Wichtig ist dabei, dass man diese auch nutzt.
Es ist wie auf einer Autobahn: Auf der rechten Seite tauchen immer und immer wieder Tankstellen auf. An diesen sollte man der Seele Nahrung geben und ab und zu auf die Landkarte schauen, um sich zu vergewissern, wohin man eigentlich möchte.