“Manchmal sind unsere Stärken unsere Schwächen”
Interview mit Sarah Joseph

Sarah Joseph ist Engländerin und Muslima und Herausgeberin des muslimischen Lifestyle-Magazins “Emel”. Abgesehen davon ist sie aber auch in vielen anderen Bereichen aktiv. Die MJD besuchte sie auf dem Meeting und hielt dort einen Vortrag zum Thema „Helden“. Die Redaktion wollte mehr dazu von ihr wissen.

 

Redaktion: Du hast hier auf dem Meeting einen Vortrag über Helden gehalten. Wer sind deine persönlichen Helden?

Sarah Joseph: Da fallen mir sofort einige ein. Zum einen ist da Nelson Mandela, der selbstlos und, obwohl er kein Pazifist war, gewaltfrei für die Rechte seines Volkes kämpfte. Mutter Theresa, die sich den Armen gänzlich widmete und wirklichen Selbstrespekt hatte, was so vielen Menschen fehlt. Gerade als Muslime sollten wir uns klarmachen, dass wir die Schöpfung des Schöpfers sind und unser Potenzial erkennen.
Wenn ich die im Qurandas gesegnete Buch des Islams; wörtlich: „die Rezitation“, „das oft Gelesene“; das Vorgetragene; die Lesung; der Vortrag; das von Allah an Seinen Gesandten Muhammad (saw) offenbarte Buch in arabischer Sprache überlieferten Prophetengeschichten betrachte, erkenne ich natürlich auch darin wahre Helden, denn die Propheten waren keine Supermans oder Märchenprinzen, sie sind echt. Insbesondere der Prophet Yusuf motiviert und inspiriert mich sehr: er war ein Flüchtling in einem fremden Land, und wurde zu einem von ihnen, mischte sich ein in die Gesellschaft, partizipierte aktiv.
 
Red: Viele, nicht nur hier auf dem Meeting, sehen dich als Heldin...
 
SJ: Der Sinn des Lebens ist einen Sinn zu haben. Jede Person hat einmalige Eigenschaften; es liegt an jedem einzelnen Menschen, diese Gaben für Gott zu nutzen. Wir müssen erkennen, dass alles und jeder seinen Platz hat, jeder Baustein ist wichtig. Wenn du es schaffst, jemanden anzuregen, zu inspirieren, dann bist das nicht du, sondern Gott, der diesen Moment erlaubt.
 
Red: Gerade Jugendliche finden es oft schwer sich selbst zu akzeptieren unddamit umzugehen, wenn sie Fehler machen. Wie gehst du damit um?
 
SJ: Tatsache ist, dass wir Fehler machen. Passiert das, kann man sein Bestes tun, um es wieder gut zu machen, sich zum Beispiel entschuldigen. Beziehungen könnten in die Brüche gehen, aber wenn du wenigstens versuchst hast, sie zu retten, kannst du zumindest davon lernen. Das Schlimmste, was du machen kannst, ist dich durch den Fehler lähmen zu lassen und dem Teufel zu erlauben dir einzureden, du wärst ein Versager.
 
Red: Was fehlt deiner Meinung nach den Muslimen?
 
SJ: Manchmal sind unsere Stärken unsere Schwächen. So zum Beispiel unsere Ungezwungenheit. Moscheen sind sehr persönlich und heimisch, aber diese Formlosigkeit ist nicht immer gut. Außerdem haben wir keinhhe Geistlichen als Mittelsmänner zwischen uns und Gott, wir haben eine direkte Verbindung, aber das bedeutet auch, dass wir niemanden haben, der uns anführt, der uns die Richtung zeigt. Was mich sehr stört, ist die Opferrolle, in der sich viele sehen. Wovon redet ihr? Steht zu euren Recht und Pflichten als selbstsichere Bürger der Gesellschaft. Niemand will das Opfer, das Unglück des Landes kennen. Uns fehlt es an Selbstbewusstsein.
 
Red: Du hast das diesjährige Meeting mit uns verbracht; wie hat es dir gefallen?
 
SJ: Ich fand es klasse! Es war super, mit anzusehen wie junge Leuten Verantwortung tragen und solch ein Meeting organisieren. Verantwortungsbewusstsein ist sehr wertvoll – ihr werdet Problemlöser.
 
Red: Vielen Dank, Schwester Sarah!
 

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